Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt

Die Donau - Ein Fluss mit vielen Nutzungsinteressen

Koppelverband

Die Donau ist ein Gewässer mit bemerkenswerten Eigenschaften: Der wasserreichste Strom Europas wird von Flüssen aus 19 Ländern gespeist und ist nach der Wolga der zweitlängste auf dem europäischen Kontinent. Sie ist der einzige große europäische Fluss, der von West- nach Osteuropa fließt. Und sie verbindet so viele Länder wie kein anderer Fluss der Welt: Elf Anrainerstaaten berührt oder durchfließt die Donau auf ihrem Weg vom Schwarzwald in das Schwarze Meer. 

Die Donau ist seit alters her sowohl eine wichtige Verkehrsader, die als Handelsweg und Siedlungsraum die Basis für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung einer gesamten Region bildet, als auch ein bedeutendes Ökosystem, das weit über den Fluss und die angrenzenden Auen hinaus Klima, Wasserhaushalt und Bodenfruchtbarkeit beeinflusst.

Durch die Jahrtausende hat sich die Donau durch menschliches Einwirken nach und nach verändert. Dass sich der Strom in der weiten Ebene immer wieder neue Wege gesucht hat, war schon früh ein Problem für Felder und Siedlungen. Seit dem frühen Mittelalter, wahrscheinlich auch schon früher, haben die Menschen an der Donau versucht, den großen Fluss in seinem Bett zu halten. So wurde, zum Beispiel um die Klöster Ober- und Niederalteich besser vor Hochwasser zu schützen, der Flusslauf verändert, Mäander wurden abgeschnitten und Ufer in den verbleibenden Biegungen befestigt. Die Schiffe auf denen Menschen reisten und die Güter transportierten, sind jahrhundertelang mit der Strömung flussabwärts getrieben, flussaufwärts wurden sie von Menschen und Tieren gezogen. Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts Dampfschiffe den Verkehr auf der Donau übernahmen, veränderte sich das Bild des Flusses noch einmal.

Bei der sogenannten Mittelwasserkorrektion ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Donau mit zahlreichen Durchstichen, dem Bau von Regelungswerken sowie massiven Ufersicherungen begradigt und in ein festes Flussbett gezwungen. Dadurch war auch die Errichtung eines durchgängigen Hochwasserschutzsystems möglich. Um die Verhältnisse für die Schifffahrt zu verbessern, wurden in den 1920er bis 1960er Jahren im Rahmen der sogenannten Niederwasserregulierung zahlreiche weitere Regelungsbauwerke, wie Buhnen oder Parallelwerke, errichtet. Noch vor Abschluss der Arbeiten zeigte sich jedoch, dass das angestrebte Ziel – eine Fahrrinnentiefe von mindestens zwei Metern bei Niedrigwasser (RNW ) nicht zu realisieren war.

Die Baumaßnahmen der Mittelwasserkorrektion und Niederwasserregulierung bestimmen heute das Bild der Donau zwischen Straubing und Vilshofen. Hier wurden für über 70 Parallelwerke und für rund 250 Buhnen sowie zur Sicherung beider Uferseiten auf rund 100 Kilometer Länge insgesamt 1,8 Millionen Kubikmeter Wasserbausteine verbaut. Abschnitte ohne Ufersicherung sind nur auf wenigen Kilometern anzutreffen. Wegen der zahlreichen Korrektionen, Regulierungen und Durchstiche erhöhte sich die Fließgeschwindigkeit.

Mit Eröffnung des Main-Donau-Kanals im Jahre 1992 wurden zwei Hauptadern des europäischen Wasserstraßennetzes miteinander verknüpft: der Rhein mit Anschluss an europäische Seehäfen wie Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen (die sogenannten ARA-Häfen) und die Donau als einzige Verbindung nach Süd-Osteuropa. So entstand eine circa 3.500 Kilometer lange, durchgehende Schifffahrtstraße von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer. Damit wurde auch die Zukunft der Donau als bedeutender Handelsweg gesichert.

Durch die Erweiterung der Europäischen Union hat die Donau als Verkehrsader noch einmal stark an Bedeutung gewonnen: Die Rhein-Main-Donau-Wasserstraße ist als Verbindung zwischen nord- und südosteuropäischen Seehäfen ein bevorzugtes Projekt auf der Liste der „Transeuropäischen Netze“ (TEN). Diese dienen als Orientierungsrahmen für den Auf- und Ausbau bedeutsamer Verkehrsinfrastrukturen innerhalb der Europäischen Union.

Gleichzeitig nimmt die Bedeutung der Donau für den Natur- und Umweltschutz zu. Dies gilt insbesondere für frei fließende Abschnitte wie zwischen Straubing und Vilshofen. Hier zeigt der Fluss noch seine charakteristische Dynamik, einen steten Wechsel der Abflüsse und der Wasserstände zwischen Niedrig- und Hochwasser. Die Kraft des Flusses bewirkt eine ständige Verlagerung von Kies und Sand, was Voraussetzung für das Überleben einer Vielzahl von bedrohten Tier- und Pflanzenarten ist.  Der ungestaute Donauabschnitt zwischen Straubing und Vilshofen mit dem Mündungsgebiet der Isar hat für den Erhalt der biologischen Vielfalt in Deutschland eine herausragende Bedeutung.  

Die Einzigartigkeit und naturschutzfachliche Bedeutung als eine von wenigen verbliebenen naturnahen Flussmündungen in Deutschland führten 1990 zur Ausweisung des Naturschutzgebietes Isarmündung. Die Entwicklung dieses Naturschutzgebietes von bundesweiter Bedeutung wurde durch ein Naturschutzgroßprojekt des Bundes unterstützt. Weite Teile des ungestauten Donauabschnitts sind inzwischen als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet) ausgewiesen.